Einblick in meine Welten
Tauchen Sie ein und spüren Sie den Puls meiner Geschichten. Hier biete ich Ihnen einen ehrlichen ersten Eindruck meiner Erzählweise – persönlich, ruhig und tief im Leben verwurzelt. Diese Leseproben laden Sie ein, innezuhalten, in eine Stimmung einzutauchen und den besonderen Ton meiner Bücher kennenzulernen. Lassen Sie sich berühren und finden Sie heraus, welche Welten Sie erwarten.
Ich nannte es einfach Leben
Power Joe erzählt
…Als die Veranstalter begannen, meine Musikauftritte nicht nur zu buchen, sondern auch anzukündigen, kam ich um eines nicht mehr herum: Ich brauchte ein Gesicht. Einen Namen. Etwas, das blieb.
Visitenkarten, Flyer, Plakate – all das, was man vorher belächelt und plötzlich ernst nimmt.
Also beschloss ich, einen Fotografen zu engagieren.
Sein Studio lag in Kaltern. Ebenerdig, professionell, vollgestellt mit Technik, die mich sofort faszinierte. Kabel, Lampen, Stative, Hintergründe – eine eigene Welt. Nichts Zufälliges. Alles vorbereitet.
Vor einer weißen Wand stand ein rotes Sofa. Genau dort sollte mein erstes Werbefoto als Musiker entstehen.
Ich wusste, dass das Outfit stimmen musste. Schwarze, elegante Hose. Weißes Hemd. Ein weinroter Blazer. Auch die Krawatte durfte nicht fehlen – im Musikerstil, mit Klaviertasten-Design. Ich wollte seriös wirken, aber nicht bieder. Elegant, aber nicht geschniegelt.
Die Pose war aus heutiger Sicht wahrscheinlich hoffnungslos kitschig. Damals aber war sie der Hammer.
Ich lag halb auf dem Sofa. In der rechten Hand ein Champagnerglas, in der linken das Mikrofon. Das Keyboard lag quer über meinen Füßen. Dazu meine Fokuhila-Frisur – zu dieser Zeit mein Markenzeichen.
Es fühlte sich fremd an. Und gleichzeitig richtig.
Zum ersten Mal stand ich nicht einfach da, um Musik zu machen. Ich stellte mich dar. Ich wurde zur Figur meiner selbst….
Die Nacht, die alles verändert
Die Disco
Der Bass war da. Gleichmäßig. Schwer.
Er füllte den Raum, ließ keinen Platz für Gedanken.
Luca bewegte sich zur Musik, nicht weil er wollte, sondern weil Stillstehen auffiel. Die Lichter schnitten über Gesichter, ließen sie kurz entstehen und sofort wieder verschwinden. Alles war nah. Und gleichzeitig fern.
Das Mädchen tanzte vor ihm. Sie hielt den Blickkontakt nur kurz.
Luca kam näher, legte die Hände an ihre Hüften. Sie ließ es einen Moment zu. Dann nahm sie seine Hände weg.
„Lass“, sagte sie.
„Was?“, fragte Luca.
Sie sah ihn an. Direkt ins Gesicht. „Du bist betrunken.“
„Geht schon“, sagte er.
„Nein“, sagte sie. „Geht nicht.“
Er wollte etwas sagen, irgendetwas. Stattdessen schwieg er.
„Du hast doch eine Freundin“, fuhr sie fort. Keine Frage. Eine Feststellung.
Luca zuckte mit den Schultern. „Vielleicht.“
„Vielleicht?“
Sie schüttelte den Kopf. „Oder hat sie dich schon verlassen?“
Er antwortete zu schnell. „Nein.“
„Doch“, sagte sie. „Sonst wärst du nicht hier.“
Sie trat einen Schritt zurück. Der Abstand reichte.
„Ich hab darauf keine Lust“, sagte sie. „Nicht heute.“
Sie drehte sich weg. Ging. Ohne Drama. Ohne Blick zurück.
Luca blieb stehen.
Er spürte den Alkohol jetzt deutlicher. Nicht als Rausch, sondern als Unschärfe. Seine Hände fühlten sich fremd an. Schwer. Er sah sich um. Niemand achtete auf ihn. Niemand musste es.
Er griff nach seinem Glas. Leer. Er stellte es ab, ließ es stehen. Schob sich durch die Menge. Richtung Ausgang.
Draußen war es stiller. Kälter. Die Musik nur noch ein dumpfer Druck hinter der Tür. Luca lehnte sich an die Wand. Atmete ein. Aus. Der Geruch von Rauch, Asphalt, Nacht.
Sein Handy vibrierte.
Er zog es heraus. Eine Nachricht.
Von ihr.
Er sah auf den Namen.
Lange.
Er öffnete die Nachricht nicht.
„Alles okay?“ fragte jemand neben ihm.
Luca nickte. „Ja.“
Es war einfach, das zu sagen.